Innovative Rückkühlanlagen: geräuscharm und hygienisch – ein Tagungs-Rückblick

14.12.2017 | id:22831973

Der Veranstalter, die Fachabteilung Rückkühltechnik des VDMA-Fachverbands Verfahrenstechnische Maschinen und Apparate, stellte dieses Jahr mit dem Tagungstitel „Innovative Rückkühlanlagen: geräuscharm und hygienisch“ zwei Themengebiete in den Fokus der Betrachtung: die mit dem Betrieb von Rückkühlanlagen verbundenen Geräuschemissionen und der hygienisch sichere Betrieb dieser Anlagen laut 42. Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (Verordnung über Verdunstungskühlanlagen, Kühltürme und Nassabscheider - 42. BImSchV).

 

Themengebiet „Schall“
Dabei ist die Beschäftigung mit dem Themengebiet „Schall“ nichts Neues für die Fachabteilung, wie Peter Gebhart, VDMA, in seiner Einführung in die Tagung mit einem Hinweis auf das Programm der 3. VDMA Kühlturmtagung von 1995 ausführte.

 

Im Themengebiet gab es mit der Änderung der TA Lärm Neuerungen im regulatorischen Bereich. Es wurde die Kategorie „Urbanes Gebiet“ eingeführt, das von der erlaubten Lautstärke her (63/45 db(A) tags/nachts) zwischen Gewerbegebiet und Mischgebiet angesiedelt ist. Dies dürfte künftig sowohl bei der Auslegung als auch beim Betrieb von Rückkühlanlagen eine Rolle spielen.

 

Dr. Rudolf Brüggemann, BMUB, stellte in seinem Beitrag „Anlagenbezogener Lärmschutz“ zunächst dar, wie der Schutz vor Umgebungslärm, z.B. aus dem Betrieb von Rückkühlanlagen resultierend, in Lärmschutzregelungen von EU, Bund und Ländern geregelt ist. Detailliert beschrieb er die Bedeutung der TA Lärm in diesem Kontext, ihr Regelungskonzept sowie relevante Einzelregelungen und die Ergänzung der TA Lärm um neue Immissionsrichtwerte für Urbane Gebiete.

 

Die zum Verständnis und zur Einordnung notwendigen „Grundlagen der Akustik“ referierte im Anschluss Carsten Dietz, rw bauphysik ingenieurgesellschaft, ebenso wie Überlegungen für „Angewandte Schalltechnik an Kühltürmen“. Bei den Grundlagen spannte er einen Bogen von der Definition relevanter Begriffe wie Schallleistungspegel und Schalldruckpegel über die Schallausbreitung und Schallausbreitungsberechnungen bis zur schalltechnischen Beurteilung. Im zweiten Beitrag setzte Dietz Schwerpunkte auf mögliche Maßnahmen zur Geräuschminderung bei Bestandsanlagen und die Bestimmung der Schallleistung von Kühltürmen.

 

Erste Nennungen von Schallquellen an Rückkühlanlagen durch Dietz wurden im abschließenden Vortrag zum Themengebiet von Michael Rabenstein, EVAPCO Europe, aufgegriffen. In seinem Beitrag „Quellen der Schallentwicklung an Kühltürmen – Anhand von Beispielen“ präsentierte er verständliche und v.a. auch „hörbare“ Beispiele für den Schalldruckpegel. Einen Schwerpunkt setzte er dabei auf die Differenzierung nach Bauart des Kühlturms und Art des eingesetzten Ventilators sowie die zugehörigen Schallbeispiele.

 

Themengebiet 42. BImSchV
Auch nach dem Inkrafttreten der 42. BImSchV im August 2017 besteht noch einiger Diskussionsbedarf, wie die Tagung zeigte. So müssen die Bestellungsvoraussetzungen für öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige nach § 14 geregelt werden, es gibt Anforderungen an Inspektionsstellen Typ A sowie an das Betriebstagebuch (das auch der neue Entwurf des VDMA-Einheitsblatts 24649 "Betriebsempfehlungen für Verdunstungskühlanlagen" fordert). Auch über die Umsetzung der Betreiberpflichten wird noch eine Weile diskutiert und informiert werden müssen.

 

In seinem Beitrag „42. BImSchV – Anwendungsbereich/Schwerpunkte/Umsetzung“ stellte Hans-Peter Ewens, BMUB, das Konzept der in seinem Referat federführend erarbeiteten Verordnung nochmals vor. Ausgehend von einer Darstellung von Hintergrund, Anlass und Grundlage informierte er zu einzelnen Regelungen wie bspw. Betreiberpflichten, Meldepflichten, Anzeigepflicht oder die Pflicht zum Führen eines Betriebstagebuches; nach Ewens „das Hauptwerkzeug für Sachverständige zur Überprüfung nach § 14“. Darüber hinaus sprach er zu Ausnahmen und bei der Umsetzung aufgekommenen sogenannten „Zweifelsfragen“, die er teilweise im Anschluss mit den Tagungsteilnehmern rege diskutierte.

 

Zu den Punkten, bei denen insbesondere bei Betreibern von Rückkühlanlagen noch Klärungsbedarf besteht, gehört die Bestellung öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger nach § 14. Hierzu referierte Hauke Dierks, DIHK, in seinem Beitrag „Bestellungsvoraussetzungen für IHK-Sachverständige zur 42. BImSchV“ den aktuellen Sachstand, insbesondere auch zu den Überlegungen zur Qualifikation, und gab einen Ausblick zum geplanten Zeitrahmen für das weitere Vorgehen.

 

Da für eine Überprüfung der Anlagen aller fünf Jahre nach § 14 sowohl Sachverständige als auch akkreditierte Inspektionsstellen Typ A beauftragt werden können, stellte im Anschluss Christoph Deinhard, TÜV Süd, in seinem Vortrag „Anforderungen an Inspektionsstellen TyP A nach der 42. BImSchV“ das Konstrukt Inspektionsstelle Typ A vor, präsentierte generelle Anforderungen an diese sowie erste Überlegungen zur Ausgestaltung der Überprüfung hinsichtlich der 42. BImSchV.

 

Wie man die Gesamtheit der neuen Betreiberpflichten umsetzen kann, stellte Dr. Ulrich Wecker, Infraserv Höchst, ausführlich dar. In seinem Beitrag „42. BImSchV – Umsetzung der Betreiberpflichten“ erläuterte er, ausgehend vom Portfolio der 25 am Standort Höchst betriebenen Rückkühlanlagen mit einer Wassernutzung von über 500 Mio. m3 p.a., wie das bestehende Anlagenlayout hinsichtlich der Anforderungen der neuen Verordnung betrieben wird. Zum Beispiel wird die Anforderung nach Führung eines Betriebstagebuches über die Einbindung als Bestandteil des bereits bestehenden elektronischen Schichtbuches realisiert.

 

Der Punkt der Führung eines Betriebstagbuchs nach § 12 wurde von Gebhart im abschließenden Beitrag aufgegriffen. Unter dem Titel „Das Betriebstagebuch – siehe VDMA 24649 …“ stellte er die im überarbeiteten VDMA-Einheitsblatt „Betriebsempfehlungen für Verdunstungskühlanlagen“ gelisteten Empfehlungen zu Aufbau, Inhalt und Struktur der Elemente eines Betriebstagbuchs vor.

Zu beiden Themengebieten („Schall“ und „42. BImSchV“) nutzten die knapp 90 Teilnehmer die Tagung, um – moderiert von Ulf Bergmann, Balticare, und Gebhart - aktuelle technische und regulatorische Entwicklungen mit Fachleuten und Kollegen intensiv zu diskutieren und Erfahrungen bei Planung und Betrieb von Rückkühlanlagen auszutauschen.

 

Save the date:
Die 13. VDMA Kühlturmtagung ist für den 28. November 2019 geplant!

 

Zum Bericht auf dem CCI-Branchenticker geht es hier.

Bildquelle : CCI

Gebhart, Peter
Gebhart, Peter
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